4.4.07

Herzlich willkommen an alle neuen Hörer!


Schön, dass Sie hergefunden haben, hier hören Sie richtig!!

Was der Podcast aus dem Podcastcafe ist und wer "dahinter" steckt, können Sie am besten in folgendem Interview lesen. Der erste Abschnitt charakterisiert sehr gut meine Motivation.
Alle bis jetzt erschienen Podcasts (immerhin 70 Stück) können Sie über die Archivliste auf der rechten Seite erreichen. Für Ihren Podcatcher (iTunes, Juice etc) kann ich Ihnen auch einen RSS-Feed mailen, mit dem Sie alle bisherigen Folgen problemlos downloaden können.


Vor langer Zeit, da gab es Radiosendungen, in denen die Moderatoren die Musik noch selbst auswählten, ihre persönlichen „Lieblinge“ präsentierten und so ihrer Sendung eine ganz persönliche Handschrift verpassten. Inzwischen wird das Radioprogramm mehr und mehr durch Medienanalysen, Playlists, Rotation und die Jagd nach Quote geprägt, ein Kommerzdruck, der leider auch an den öffentlich-rechtlichen Stationen nicht vorübergegangen ist. Vielfalt und Persönlichkeit bleiben dabei weitestgehend auf der Strecke. Früher war eben alles besser. Wirklich? Wahr ist: Im Internetzeitalter ist das Musikangebot so groß wie nie zuvor. Vor allem Nachwuchskünstler nutzen Portale wie MySpace, Garageband oder das Podsafe Music Network, um ihre Musik einem weltweiten Publikum zugänglich zu machen. Die Qualität schwankt dabei zwischen hoffnungslosem Hobbygeschrammel und profossionell produzierter Qualitätsmusik. Ein paar Leckerbissen aus dem Meer der frei erhältlichen Musik präsentiert Jürgen Schlund wöchentlich in seinem Podcastcafe. Er spielt ausgewählte Musik aus diversen Portalen, porträtiert Musiker und führt Interviews durch. Dabei richtet er sich ganz nach seinen persönlichen Vorlieben. Ein Podcast mit persönlicher Note und ein gutes Beispiel dafür, wie Radio sein könnte, wenn es dürfte.

Jürgen, was machst du, wenn du gerade mal nicht auf der Suche nach Musik und neuen Künstlern für dein Podcastcafe bist?

Ich habe als Produktmanager in einem IT-Unternehmen einen sehr spannenden und zeitintensiven Job, der mir relativ wenig freie Zeit läßt. In der Freizeit bin ich bewußt sehr viel mit meiner Familie zusammen. Ansonsten lese ich viel oder plane und baue eine neue Slotracing-Bahn für den freien Platz in meinem Kellerstudio.

Wie bist du auf die Idee gekommen, einen Musikpodcast zu starten?

Ich habe schon als Jugendlicher sehr viel Musik gehört. Das hat sich noch verstärkt, als ich Anfang der 80er nach München gekommen bin und dort die Südtiroler Piratensender empfangen konnte, die dann fast alle in Privatradios aufgegangen sind. Und das schlimmste war, dass meine damalige Freundin nebenbei in einem Plattenladen gearbeitet hat....

Im Laufe der Jahre hat sich die Radiowelt leider so extrem verändert und angeglichen, dass ich nur noch CDs gehört habe. Als ich dann 2005 Podcasting entdeckt habe, war das wie eine Offenbarung. In den ersten Tagen habe ich nur deutsche und vor allem englische/amerikanische Podcasts gehört und sehr schnell beschlossen: "Das kannst Du auch und besser". Für mich kam immer nur ein Musikpodcast in Frage, an einen Wortpodcast habe ich nie gedacht. Und so kam eines zu anderen: im September 2005 ging dann das erste Podcastcafe auf den Server.

Könnte man Podcasts als eine legale Variante der damaligen Piratensender bezeichnen?

In gewisser Weise schon. Wir zeigen den etablierten Radiomachern, dass es möglich ist, eine Gegenbewegung zum Formatradio zu starten und auch durchzuhalten. Das bezieht sich nicht nur auf die Musikpodcasts, sondern auf (fast) alle Podcasts. Da sind zum Teil richtig hochwertige Sachen dabei, die sicherlich auch Platz im Kulturteil eines Radios hätten.

Aus welchen Quellen beziehst du die Musik und wie klärst du das mit den Rechten bei Musik, die nicht unter einer Creative-Commons-Lizenz steht?

Zu Beginn des Podcastcafes habe ich fast alles aus dem Podsafe Music Network PMN bezogen, dann habe ich sehr schnell Garageband als Quelle entdeckt. Mittlerweile habe ich ca. 10 Portale, die ich regelmäßig besuche und dort nach neuer Musik schaue. Inzwischen schicken mir die Künstler auch Musik oder andere Podcaster weisen mich auf tolle Künstler-Websites hin.

Ich habe es mir angewöhnt, bei fast allen Titeln, bei denen ich mir bzgl. der Rechte nicht sicher bin, die Künstler bzw. die Labels direkt anzumailen und alles rechtlich abzuklären. Diese Mails archiviere ich für den Fall der Fälle.....

Stört es dich, dass du die Musik aus deiner Jugend und viele deiner CDs nicht spielen darfst, weil die GEMA derzeit nur ein unbefriedigendes Lizenzmodell anbietet?

Nein, überhaupt nicht (mehr). Es gab mal eine Phase, in der ich liebend gerne meine alten Schätze gespielt hätte. Das hatte mit dem Auftauchen von Deep Purple und anderen Helden meiner Jugendzeit im PMN zu tun. Nachdem wir die rechtlichen Fragen aber sehr erschöpfend geklärt haben, war das Thema bei mir durch. Sollte es jemals ein befriedigendes Lizenzmodell der GEMA geben, überlege ich mir es vielleicht nochmal. Allerdings merke ich immer mehr, wie "durchgehört" viele ältere Sachen für mich sind und ich immer öfters auf die Skip-Taste drücke. Da stellt sich diese Frage dann gar nicht mehr.

Professionelle Musikproduktionen kosten Geld und schaffen Arbeitsplätze. Besteht durch die kostenlose Verbreitung von "Podsafe Music" nicht die Gefahr, dass die Nutzer den Wert der Musik nicht mehr zu schätzen wissen und immer weniger bereit sind, Geld für Musik auszugeben, zum Schaden für die Musikbranche?

Es gibt sicher auch hier einen gewissen Anteil Nutzer, die die Musik konsumieren, ohne Geld dafür auszugeben. Ich mache aber im Moment genau die entgegengesetzte Erfahrung (und das nicht nur bei mir): Ich bekomme einige Mails und Kommentare auf meiner Internetseite, die sagen, dass sie sich spontan CDs der Künstler gekauft haben (oder z.B. bei iTunes runterladen), die ich gespielt habe. Mein eigenes Kaufverhalten spiegelt das ebenfalls wider: auf 10 CDs von Podsafe Musik-Künstlern kommt eine (!!) CD von Künstlern großer Labels.

Und ja, ich kaufe CDs, weil ich diesen Moment genieße, wenn die Post das Päckchen bringt, ich auf den Absender schaue, dort z.B. Simon Apple lese, die CD mit echter Freude auspacke, das Booklet lese und dann die CD in den Player stecke und die Musik höre. In dieser Beziehung bin ich seit den seligen Vinyl-Zeiten richtig "old-fashioned".

Übrigens: auch richtig gut und professionell produzierte Podsafe Musik verlangt auch nach einer Menge "Manpower": viele Künstler gehen in ein richtiges Studio, nehmen sich gute Produzenten und Musiker und hoffen so, sich von der Menge der "Garageband"-Bands abzusetzen. Der Musikbranche wird dadurch m.E. nicht geschadet, die schadet sich durch die mangelnde Qualität der Musik, die sie auf den Markt drückt, selbst.

Wie siehst du die Zukunft der Musikverbreitung und -vermarktung im Internet?

Die Musikverbreitung wir noch stärker in die digitale Richtung gehen. Hier sehe ich zwei Strömungen: zum einen die großen Player, zu denen ich die Musikindustrie sowie Apple, einige größere Portale und neuerdings auch Microsoft zähle, deren Musik DRM-verseucht ist und die eine enge Bindung ihrer Hardware an die jeweiligen Portale haben. Damit binden sie Konsumenten sehr stark an sich.

Zum anderen die entgegengesetzte Strömung von kleinen und/oder unabhängigen Anbietern, die ihre Musik ebenfalls digital verbreiten, sich die Graswurzelbewegungen wie das Podcasting zu Nutzen machen und ihre Musik DRM-frei anbieten. Beide Strömungen werden nebeneinander existieren, denn letztendlich zählt die Qualität der Musik.

Und dann wird es immer noch eine ganz kleine Schar von Jüngern geben, die sich auch noch richtige CDs kaufen wollen.

Die Musikvermarktung wird m.E. stärker in Richtung "individueller Audiodateien" gehen. Viele Labels sind bereits auf den Zug aufgesprungen und stellen Neuerscheinungen ganz gezielt so vor. Kleinere Labels oder Künstler nutzen bereits jetzt professionelles E-Mailing, um neue Songs, Auftritte usw. an Podcaster zu verbreiten, mit der Bitte, die neuen Songs zu spielen. Also auch hier eine gezielte und individuelle Ansprache.

Welche Zukunftspläne hast du mit dem Podcastcafe?

Meine Zukunft hat bereits begonnen! Seit der Ausgabe 45 des Podcastcafes habe ich ein etwas anderes Konzept als bisher. Ich stelle einen Künstler, eine Band gezielter vor, mache Interviews und spiele mehrere Titel, damit man einen besseren Eindruck von der Musik und den Menschen dahinter bekommt. Es geht also mehr in Richtung Musikmagazin und es macht richtig viel Spaß, so eine Sendung zu produzieren. Das neue Konzept kommt sehr gut an, die Zugriffe auf meine Podcasts haben sich vervielfacht.

Die zweite Neuerung ist meine Kooperation mit einem Internetradio. Mein Podcast wird jede Nacht auf Radio Lechtal, einem kleinen Lokalradio hier im Landsberger Land, gespielt. Radio Lechtal hat eine Menge Stammhörer (ich konnte mir nicht vorstellen, wie viele Leute nachts Radio übers Internet anhören), die Resonanz im Hörerforum war bis jetzt sehr gut und macht Mut für mehr . Je nach dem, wie sich das entwickelt, können wir uns eine "richtige" Livesendung vorstellen. Im Moment sendet Radio Lechtal ausschließlich im Internet, die Betreiber streben aber auch eine "On-Air"-Lizenz an. Dann wird es richtig spannend.

Stell dir vor, du dürftest ein Musikfestival organisieren und fünf beliebige Bands dazu einladen (auch Bands, die heute nicht mehr existieren), welche würden das sein?

1) Simon Apple - weil sie mit Ihrer Musik einen wohltätigen Zweck unterstützen
2) Unitopia - weil die Band ein echtes Anliegen hat (und die 80 Mann vom Adelaide Arts Orchestra lassen wir gleich mit einfliegen)
3) Lake - weil es eine der am meist unterschätzten Rockbands in der BRD war (leider ist John Hopkins, der Leadsänger, schon tot)
4) Rippingtons - die seit 20 Jahren den besten FusionSmoothRockFunkGuitar-Jazz machen und noch nie in Deutschland waren
5) Blue Rose - weil sich dieses Musikprojekt viel zu früh aufgelöst hat

Veröffentlicht am 17. November 2006 von Ohrenmensch.